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Bericht JavaLand 25./26.3.2014

Die JavaLand war eine neue Veranstaltung im Kalender der Java-Konferenzen, hat aber – soviel darf ich vorab schon mal sagen – sofort den Sprung unter die ganz Großen geschafft! Da meine Vortragseinreichung angenommen wurde, durfte ich als Speaker Teil des Ganzen sein. Hier mein kurzer Bericht – geprägt von meiner Perspektive und den Vorträgen, die ich mir angehört habe.

Anreise

Am Montag Abend erreichte ich das Phantasialand in Brühl, welches sich für die kommenden zwei Tage in JavaLand verwandeln sollte. Gespannt auf die ungewohnte Location war ich ja schon vorab und ich wurde nicht enttäuscht, als ich das dazu gehörende Hotel Matamba betrat. Man fühlte sich gleich wie direkt nach Afrika versetzt, bis ins kleinste Detail ist alles liebevoll eingerichtet.

Die Speaker waren am Abend zu einem afrikanischen Buffet eingeladen. Und was das für ein Buffet war! Von der schier endlosen Auswahl, von den exotischen Gewürzen, vom Ambiente als solchem war man fast erschlagen 😉 So gab es die Gelegenheit nette Gespräche mit anderen Speakern und Ausstellern zu führen und sich dabei einer endlosen Völlerei hinzugeben – grandios! Und noch etwas: Zebra schmeckt wirklich sehr lecker!

Tag 1

Das Frühstücksbuffet war genau so gewaltig wie am Abend zuvor – ich begann mir Sorgen um meine Linie zu machen. Nun aber hieß es endlich ab auf die Insel, betreten wir JavaLand. Der Eingang ist geprägt von einem 3- oder 4-stöckigen Karussell, dann läuft man die Gasse entlang von Hausfassaden, die den Eindruck erwecken man sei 200 Jahre zurück versetzt worden (siehe auch meine Impressionen in Form von Bildern).

Im Wintergarten – dem größten Vortragssaal, sonst wohl ein großes Theater – fand die Eröffnung statt. Trotz der mindestens 600 Sitzplätze war es gerammelt voll, ein Teil der Besucher stand an den Rändern des Saals. Hier erfuhren wir mehr über den Weg von der Idee bis zur Umsetzung der JavaLand und man konnte schon spüren, dass es wohl mehr als gelungen ist, was uns die Veranstalter zubereitet hatten.

Danach kurz einen Kaffee geschnappt und in den ersten Vortrag gewandert: Is It a Car? Is It a Computer? No, It’s a Raspberry Pi Java Carputer von Simon Ritter (Oracle Corporation). Ein spaßiger Mix aus Raspberry, JavaFX, Anbindung an das Bussystem eines Audi. Es wurde gezeigt, wie man die Fahrzeugdaten anzapfen und auswerten kann.

Dann war auch schon ich mit meinem Vortrag an der Reihe. Nach anfänglichen Problemen mit dem VGA-Kabel war alles problemlos aufgebaut, die Techniker waren wirklich fix, man musste sich um nichts weiter kümmern, schon war der Vortrag auf dem Beamer, das Mikrofon am Ohr und die Hintergrundmusik leise gestellt. Ich war überrascht und erfreut, dass sich doch recht viele Interessierte eingefunden hatten, mein Thema ist für einen Java-Entwickler ja eher ein Randgebiet.

Inspiriert vom morgendlichen Vortrag war ich heiß auf mehr Spaß mit dem Raspberry Pi und setzte mich in „Having fun“ mit Raspberry Pi, Java und Sensor-Netzwerken von Gerrit Grunwald. Der präsentierte seine selbst gebastelte Home-Vernetzung aus Messwerten wie Temperatur usw. und zahlreichen Frontends von kleinen Touchscreens über mobile Endgeräte bis hin zur Smart Watch. Machte Lust auf mehr und gab mir einige nützliche Tipps, da ich für meine Hütte Ähnliches in Planung habe.

Nun wollte ich mich aber etwas ernsthafteren Vorträgen widmen und besuchte Stefan Tilkovs (innoQ Deutschland GmbH) Architektur 201x: Neue Konzepte für die Architektur komplexer Systeme. Gekonnt gab er die richtigen Impulse für eine Entwicklung in schlanken Anwendungen („Micro Services“) und deren Kompilation zu einem großen System, das eben nicht mehr träge, monolithisch und unwartbar ist.

Zahlreiche Anregungen für meinen Projektalltag konnte ich bei Endlich sichere Webanwendungen mit Java von Dominik Schadow (BridgingIT GmbH) mitnehmen.

Im Anschluss setzte ich einen Vortrag aus und tümmelte mich im Community Bereich mit reichlich Live- und Nighthacking sowie interessanten Diskussionen herum. Man muss dazu sagen, die Pausen waren durchgängig immer nur 15 Minuten lang, es war keine Mittagspause o.Ä. vorgesehen. Das hatte den Vorteil, dass es an dem reichhaltigen Verpflegungsbuffet (welches in einer dynamisch-magischen Weise sein Sortiment je nach Tageszeit änderte) keine Warteschlangen gab und keine unnötig langen Pausen existierten. Stressig wurde es für die, die nonstop Talks besuchen wollten, aber auch das ist mit ein paar Happen und einem Kaffee zwischendurch gut machbar.

Den Schlusspunkt bildete Akka – Reaktive Applikationen einfach entwickelt von Michael Pisula (TNG Technology Consulting GmbH). Akka war für mich noch völlig neu und ist nun auf meiner Watchlist!

Abends war es dann angesagt die Attraktionen des Parks zu nutzen, Highlight war die Achterbahn Black Mamba. Leider musste ich diesen Teil sausen lassen, ich gab einem befreundeten Entwickler aus der Region den Vorzug, den ich aus einem früheren Projekt kenne.

Tag 2

50 New Features of Java EE 7 in 50 43 Minutes war der Startschuss in den zweiten Tag. Arun Gupta (Red Hat Inc.) heizte in Highspeed durch die wichtigsten Neuerungen in EE 7 – selten habe ich in einer dreiviertel Stunde soviel mitgenommen – grandios!

Danach blieb ich der EE-Schiene treu und hörte mir Apache TomEE, Java EE Web Profile and More on Tomcat von David Blevins (Tomitribe) an. Schöne Demo mit viel Live-Coding. Sein Schlusswort war ein Appell an alle Anwendungsentwickler sich an der Weiterentwicklung mit reichlich Feedback einzubringen – wir sollten ja schließlich wissen, wo der Schuh drückt.

Es folgte die Keynote von Heinz Kabutz: Threading Bugs – Some War Stories. Doch zuvor wurde Markus Eisele von Kabutz und Arun Gupta in die Riege der Java Champions aufgenommen. Unter großem Beifall wurde der Mitveranstalter für seinen unermüdlichen Einsatz in der Java Welt geadelt – Glückwunsch auch von meiner Seite! Dann also Threading Bugs, schön dargelegt mit kurzen prägnanten Beispielen und erstaunlichen Differenzen zwischen den verschiedenen Java Releases.

Michael Hüttermann schärfte den Blick auf DevOps und versuchte das gehypte Thema in die richtigen Bahnen zu lenken.

Ein weiteres persönliches Highlight war Testing the Enterprise Layers: The ABCs of Integration Testing von Andrew Rubinger (JBoss by Red Hat). Er griff sich ein paar Artikel aus seinem Buch Continuous Enterprise Development in Java heraus und zeigte modernes Integrationstesting mit Arquillian.

Mein heutiger Gang in den Community-Bereich war geprägt von einer Achterbahnfahrt via Oculus Rift und einer coolen Vorführung diverser Drohnenflüge per Gestensteuerung.

Nach TomEE am Morgen wechselte ich nun zur „Konkurrenz“: Building Modern Applications Using JBoss and OpenShift von Pete Muir (Red Hat, Inc.). Er zeigte, wie man mit JBoss Forge im Nu eine Enterprise Anwendung generiert und auf OpenShift deployed. Am meisten beeindruckte er mich, als er plötzlich ein komplettes AngularJS Frontend (CRUD) für eine zuvor generierte REST/JPA Anwendung auf Knopfdruck aus dem Hut zauberte – wow!

Der letzte Vortrag – Bytecode, Class-Loader und Class-Transformer (Bernd Müller (Hochschule Ostfalia)) – vermittelte Kenntnisse zu den tieferen Schichten der Java Programmiersprache.

Danach konnte man es noch gemütlich ausklingen lassen und schon war eine grandiose Erstauflage der JavaLand zu Ende.

Fazit

Ich bin begeistert! Die JavaLand hat es auf Anhieb geschafft eine Referenz in Sachen Entwicklerkonferenz zu werden! Hier stimmte einfach wirklich alles, vom perfekten Rahmen (Location, Verpflegung, Zeitplan, …) über hochinteressante Talks mit zahlreichen bekannten Speakern bis hin zu Community-Events, die uns alle einer Familie zugehörig fühlen lassen.

Ich werde wieder kommen und gerne auch wieder einen Vortrag dort halten. Vielen Dank an alle Beteiligten – macht weiter so!

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Buchkritik: „Boyd: The Fighter Pilot Who Changed the Art of War“


Normalerweise berichte ich in diesem Blog ja nur über IT-Themen. Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, das nichts mit IT zu tun hat, von dem wir IT’ler aber sehr wohl profitieren können.

Und noch ein Disclaimer vorweg: Ja, ich bin Hobby-Pilot und entsprechend den Themen der Luftfahrt sehr aufgeschlossen. Auch wenn das Buch auf den ersten Eindruck sehr flugzeug- und militärlastig zu sein scheint, ist dies nur der Rahmen, im Kern geht es um ganz andere Themen.

Es geht also um das Buch Boyd: The Fighter Pilot Who Changed the Art of War von Robert Coram (ISBN: 0316796883). Es ist auf englisch (eine deutsche Übersetzung gibt es meines Wissens nicht), lässt sich aber leicht lesen. Die einzelnen Kapitel sind relativ kurz, so dass es sich auch wunderbar als Buch für unterwegs und zwischendurch eignet.

Coram biographiert Colonel John Boyd, der auf seinem Weg vom Fighter Pilot zum Berater im Pentagon einige erstaunliche, ja unglaubliche Leistungen vollbracht hat. Parallel dazu wird auch sein traurig-tragisches Privatleben dargestellt.

„he had no time for activities in which he was average.“

„To be or to do“ – Du kannst entweder jemand sein oder etwas erreichen. Das Credo von Boyd beschreibt seinen Lebensweg – er hat unglaublich viel für Amerikas Militär erreicht, ist aber selbst nie zum General befördert worden und Colonel geblieben. Gleichzeitig hat er aber dafür gesorgt, dass zig Generäle ihren Posten verloren haben, indem er auf geschickte Weise stets für die Sache kämpfte und gegen korrupte Strukturen vorging. Dieser Kampf und seine Methoden sind in dem Buch sehr gut beschrieben.

Neben den „Kämpfen“ gegen die Übermacht des Pentagons zeigte Boyd eine enorme Willenskraft wissenschaftliches Vorgehen und kreative Prozesse voranzutreiben und so zu Lösungen zu kommen, die klassisch nicht erreichbar gewesen wären. Diese Kombination – ein Mensch, der herausragende Dinge schafft und diese auch noch gegen alle Widerstände durchsetzt – ist wohl äußerst selten anzutreffen und macht aus Boyd die schillernde Figur, die tragischerweise nie wirklichen Bekanntheitsgrad erfuhr.

„to have goals but to make sure the goals could not easily be reached.“

Ein paar der Dinge, aus Boyds Wirken:

  • E-M-Theorie, ein Modell zur Berechnung von Performanzeigenschaften eines Flugzeugs
  • Etablieren einer neuen Generation von Kampfflugzeugen (F-15, F-16, F-18, A-10)
  • OODA-Loop (Observe – Orient – Decide – Act) – im Nachhinein wahrscheinlich die bekannteste Errungenschaft, wird heute nicht nur im Militär sondern auch im Business eingesetzt, um sich strategische Vorteile zu verschaffen.
  • „Patterns of Conflict“, ein auf OODA basierendes Strategiepapier, das Dick Cheney als Grundlage für den Irak Krieg her nahm.
  • „Destruction & Creation“, ein Essay, welches die Wirkung von Handlungen betrachtet, unter philosophischer Zuhilfenahme von Gödels Unvollständigkeitssätzen, Heisenbergs Unschärferelation und dem zweiten Gesetz der Thermodynamik.

„Machines don’t fight wars. Terrain doesn’t fight wars. Humans fight wars. You must get into the minds of humans. That’s where the battles are won.“

Fazit: Impressive! Kein anderes Buch hat mich in letzter Zeit mehr beeindruckt. Im unterhaltsamen Stil wird das Leben und Tun eines außergewöhnlichen, inspirierenden Mannes portraitiert. Und – um den Kreis zur IT zu schließen – wenn wir das nächste mal mit irren Kundenideen, verbohrten Projektleitern oder Entscheidern zu kämpfen haben, aber auch, wenn kreative Leistungen und Schaffen von wirklich Neuem gefordert sind, finden wir im Boyd-Buch beste Strategien unsere Ziele zu erreichen – Lesebefehl!

Weiterführende Links:
[1] John Boyd (military strategist) auf wikipedia.org
[2] Artikel zu Boyds OODA-Loop (englisch)
[3] Ausführlichere Rezension (englisch, luftfahrtlastig)

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Slides zum AngularJS Vortrag

Hier können meine Slides zum diesjährigen Vortrag auf dem Herbstcampus betrachtet werden (einfach auf das Bild klicken):

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Theory of Constraints

Das JUG ErN Meeting am letzten Donnerstag war etwas anders als die üblichen „Wir setzen uns mal rein und hören, was der da vorne sagt“-JUG-Treffen. Diesmal mussten die Teilnehmer mitspielen! Pierluigi Pugliese und Martin Heider erklärten anhand eines Spiels die „Theory of Constraints“.

Diese Theorie besagt, dass es in jedem System genau einen Flaschenhals (Constraint) gibt und gibt 5 Schritte vor, wie man den Engpass möglichst weit aufmacht, sprich entschärft.

Hier die begleitenden Folien, in denen auch das Spiel erläutert wird:

Und so wurden fleißig Boote und Hüte gefaltet und von Runde zu Runde war tatsächlich ein Fortschritt zu sehen.
Fazit: Ein lustiger Abend mit einem sehr einprägsamen Beispiel – so macht Lernen Spaß.

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